Unserem gemeinsam mit der IG Bau verfassten Glückwunschschreiben an die neue Forstministerin Hanka Mittelstädt (SPD) folgte eine Einladung zum Kennenlernen – durch den neuen Staatssekretär Gregor Beyer (parteilos).
Dem Prinzip „jedes Gespräch mit der Hausleitung ist wichtig“ folgend trafen wir (Philipp Schlichting, Uwe Engelmann) uns gemeinsam mit Vertretern der IG BAU, dem Staatssekretär sowie Herrn Feuering (AL 1 im Ministerium) am 10. April 2025. Erleichternd für uns Förster ist es, erstmals seit Jahrzehnten auf der „anderen Seite“ mit dem Staatssekretär einem quasi Forstkollegen gegenüber zu sitzen. Gregor Beyer hat Anfang der 1990er Jahre in Eberswalde Forstwirtschaft studiert. Somit können viele Sachverhalte mit wenigen Fachworten umrissen werden.
Zum Einstieg haben wir die mittlerweile als dramatisch zu bezeichnende Personalsituation des Landesforstbetriebes (LFB) dargestellt. Mehr als 200 unbesetzte Stellen (von insgesamt 1.300) bei gleichzeitig rollender Ruhestandswelle führen neben dem Wegfall dringend zu erledigender Aufgaben in vielen Regionen zu Demotivation, Resignation und Krankheit. Bei diesen Rahmenbedingungen denken viele Kolleginnen und Kollegen zudem über die „erste Ausfahrt“, also den vorgezogenen Ruhestand nach. Seitens der Betriebsleitung gibt es keinen erkennbaren Plan, wie man mit der Situation und Entwicklung umgehen will.
Trotz der allgemein schlechten Haushaltslage sieht der Staatssekretär für unseren Bereich keine Stellenkürzungen kommen. Vielmehr verweist er auch in größerer Runde immer wieder auf die „Personalreserve“, die der Staat benötige. Natürlich ist es bei so vielen unbesetzten Stellen aus politischer Sicht auch illusorisch, für neue, zusätzliche Aufgaben mehr Personal zu bekommen.
Das Thema Verbeamtung ist für den Staatssekretär völlig klar – Verbeamtung ja, aber in Abstimmung mit dem Finanzministerium nur im Bereich Forsthoheit. Das entspricht zwar nicht unserer Gesamtforderung, jedoch nehmen wir den Ansatz als „Schritt in die richtige Richtung“ gerne an. Und um es wiederholt klarzustellen, wir wünschen die Verbeamtung als Mittel der MitarbeiterInnengewinnung und -bindung – alles kann, nichts muss! Und natürlich erwarten wir auch Entwicklungen beim Einkommen. Andere Bundesländer bilden schließlich ForstoberinspektoranwärterInnen aus…
Der von uns vor über einem Jahr ausgerufene „Waldarbeiternotstand“ wird politisch weiterbearbeitet. Der Staatssekretär unterstützt ausdrücklich den Ansatz, die Zahl der Ausbildungsplätze durch Erhöhung der betrieblichen Ausbildungsstellen zu erhöhen. Das Ziel des Aufbaus einer zweiten Waldarbeitsschule im Süden des Landes wird weiterverfolgt.
In diesem Zusammenhang haben wir unsere Forderung bekräftigt, Entwicklungsmöglichkeiten für Forstwirte zu schaffen und auf Ansätze aus NRW bzgl. Landschaftspflege verwiesen.
Für den Bereich der Digitalisierung und hier insbesondere die App-basierte Arbeitsvereinfachung und -erledigung haben wir eine Beschleunigung angemahnt. Auch das würde die Attraktivität des LFB als Arbeitgeber steigern. Hierzu will der Staatssekretär gerne in einen Erfahrungsaustausch eintreten.
Schließlich haben wir mit Blick auf unsere neuen Kolleginnen und Kollegen auf die in großen Teilen des Landes schwierige Wohnraumsuche hingewiesen. Angemessener Wohnraum ist häufig schwer oder gar nicht zu finden. Deshalb sollte es bzgl. des Verkaufs von Forstimmobilien zu Wohnzwecken zunächst ein Verkaufsmoratorium geben und ein nachvollziehbares Konzept in diesem Bereich erstellt werden. Auch wenn nicht jedem Mitarbeitenden eine betriebliche Wohnung angeboten werden kann, so sollten doch alle Möglichkeiten genutzt werden.
Abschließend baten wir den Staatssekretär, sich auch für das Thema Holzbau und Holzverwendung in der Landesregierung einzusetzen. Hier kann viel Gutes für den Klimaschutz erreicht werden.
Und ja, wir werden uns wieder treffen.