Am 25. Juni 2025 lud der BDF Brandenburg-Berlin zu einer Fachexkursion zum Thema „Wald und Wasser“ nach Radensdorf bei Lübben ein.
In seiner Eröffnung stellte der Landesvorsitzende Uwe Engelmann fest, dass Wasser und Geld limitiert sind, doch dass man sich kein fehlendes Wasser kaufen kann. Ohne Wasser wird alles in Frage gestellt. Der BDF-Landesverband greift dieses Thema auf, weil es einen maximalen Vorrang für den notwendigen Waldumbau besitzt.
Ein umgebauter Wald kann die Landschaft besser kühlen. Dabei ist eine positive Grundwasserbildung zu berücksichtigen. Als Ziel der Veranstaltung benannte Uwe Engelmann neben der allgemeinen Wissensvermittlung, das Reden über das Machbare.
Trockene Zeiten – Hydrologische Veränderungen im mittleren Spreegebiet
Der erste Impulsvortrag wurde von Mathias Schuster (Landesamt für Umwelt Brandenburg) zum Thema „Trockene Zeiten – Hydrologische Veränderungen im mittleren Spreegebiet“ gehalten.
Zu Beginn ging er auf die Waldentwicklung ab 1.300 vor Christi (Lausitzer Kultur) bis heute und die sich daraus wechselseitig ergebenden Verbindungen und Beeinflussungen zur Wasserwirtschaft im Spreegebiet ein. Das mittlere Spreegebiet umfasst die Spree flussabwärts ab Spremberg bis zum Abfluss aus dem Unterspreewald. Die Waldbedeckung hat einen starken Einfluss auf den Wasserhaushalt und die veränderte Grundwasserneubildung). Die Entwaldung des inneren Spreewaldes begann erst ab dem Ausgang des 17. Jahrhundert und vor allem im 19. Jahrhundert.
Der noch heute hohe Waldanteil im mittleren Spreegebiet erfüllt im Einzugsgebiet wichtige Waldfunktionen wie den Wasserrückhalt, den Hochwasserschutz, die Absicherung des Nährstoffhaushalt usw.
Eine Zeitreihe von 1889-2024 zeigt keine sichtbare Änderung in den Niederschlags-verhältnissen, aber wesentliche Änderungen in den Jahresmitteltemperaturen. So betrug die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur bis 1990 9 Grad Celsius , steigerte sich aber dann bis 2024 auf 12 Grad Celsius. Seit 2018 treten ausgesprochenen Trockenjahre auf.
Die klimatische Wasserbilanz im Wesentlichen als Summe des Niederschlages abzüglich der potentiellen Verdunstung ist steigend negativ. Dies führt zu wesentlichen Veränderungen in den Grund -und Bodenwasserhaushaltsverhältnissen im Spreewald und auf den Hochflächen.
Aktuell leidet die Kiefer in Brandenburg in der Bodenfeuchte in einer Bodentiefe von 50 -60 cm unter extremen Trockenstress.
Am Beispiel der Wasserbilanz des Spreewaldes wurden die Auswirkungen der klimatischen Änderungen und des Kohleausstiegs auf die Wasserführung der Spree dargestellt.
Nur angeschnitten wurden die Betroffenheit, die Interessen und zu klärende Konfliktfelder umfangreicher Nutzungsansprüche der Landnutzung, des Naturschutzes, der Schifffahrt, der Wasserwirtschaft, der Industrie, des Tourismus usw..
Weitere starke negative Veränderungen stehen mit der vorgesehenen Reduzierung der Grubenwassereinspeisung in die Spree mit der Einstellung des Braunkohlenabbaus.
Dieser Prozess soll bis 2080/2090 abgeschlossen werden.
In der direkt geführten Diskussion gab es immer wieder Hinweise zu den auftretenden unterschiedlichen Nutzungsansprüchen und damit zu fällende offene und ehrliche Entscheidungen zur Verwendung des kostenbaren Wassers im Spreewald die sich bis Berlin auswirken.
Waldumbau im Klimawandel
Den zweiten Impulsvortrag „Waldbau im Klimawandel“ hielt Dr. Markus Engel (Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde).
Der einleitende kurze Exkurs in die Verhältnisse der Waldsteppe stellte fest, das großflächige Waldbestände ungeeignet sind, da der Wald zu viel Wasser transpiriert. Ist dies für Brandenburgs Wälder in Zukunft eine Alternative?
Markus Engel erläuterte die wichtige Funktion des Waldes als Schwamm die über die lebende Biomasse, die tote Biomasse und die organische Bodensubstanz bestimmt wird. Alle drei Komponenten können wir waldbaulich beeinflussen. Dazu kommen verschiedenen Landschaftselemente die den Wasserhaushalt, das Wassermanagement, die Verdunstung usw. beeinflussen. So können zum Beispiel Windkraftanlagen zu Temperaturerhöhung (Luft und Boden) und mehr Verdunstung führen.
Schwerpunkt des Vortrages waren die zukünftige Baumartenwahl.
Als Merkmale eines idealen Baumes wurden vom ihn beschrieben.
▪ Hoher Stammabfluss
▪ Niedrige Interzeption
▪ Fähigkeit Transpiration zu drosseln bzw. zu pausieren
▪ Hohe Wassernutzungseffizienz in Bezug auf Biomasseproduktion
▪ Gefäßanatomie mit hoher Embolieresistenz bzw. Fähigkeit schnell Gefäße zu regenerieren
▪ Tiefe Durchwurzelung, ausreichende Mykorrhizierung
▪ Hohe Streuqualität, förderlich für Humusaufbau
Bäume die alle diese Eigenschaftenbesitzen gibt es nicht.
Am Beispiel verschiedener einheimischer und nicht einheimischer Baumarten wurden mögliche Optionen und Risiken im Anbau aufgezeigt.
Meta-Analysen zeigen, dass Durchforstungen die Dürre-Resilienz kurz- und mittelfristig erhöhen können, vor allem auf schlechten Standorten.
Markus Engel stellte seine waldbauliche Synthese für den zukünftigen Waldbau/Waldumbau in Brandenburg vor
Durch das Landeskompetenzzentrum Eberswalde werden bis Ende 2026 neue Waldentwicklungstypen inclusive der Steckbriefe von 60 Baumarten erarbeitet. Standorts-und Klimainformationen und Prognosen zur Baumarteneignung sollen dann im Geoportal abrufbar sein.
Aus der Diskussion ergab sich, dass die Revierleiter im Landeswald waldbauliche Entscheidungen selbstständiger als bisher und auf Grundlage ihrer regionalen Erfahrungen und Besonderheiten treffen sollen
Nach einem Imbiss ging es auf die Fläche.
Stadtwald Lübben - Wasserrückhalt
Auf einer Fläche des Stadtwaldes Lübben wurde uns durch Anne Bauer, der Leiterin des Forstbetriebes, eine geförderte Furt über einen Forstweg vorgestellt.
Diese gepflasterte und befahrbare Furt, ähnlich einer Sohlschwelle, kann Stauwasser aus dem durchfließenden Graben, der im Vorfeld über landwirtschaftliche Flächen verläuft, bis zu einer gewissen Höhe zurückhalten.
Am zweiten Punkt im Stadtwald wurde ein Flächeneinstau in einem Wiesenbereich vorgestellt, an den große zusammenhängende Waldflächen anliegen. Die anhängenden Waldflächen profitieren unmittelbar davon.
Bei beiden geförderten Maßnahmen wurde deutlich, dass es zum besseren Rückhalt von Wasser in der Landschaft sinnvoll ist, dass sich unabhängig von Eigentums -und Nutzungsverhältnisse die Bewirtschafter vor Ort verständigen und gemeinsame Lösungen finden. Ehemalige Grabensysteme zur Abführung von Wasser, die heute Wasser zurückhalten sollen, laufen über weite Strecken und durchqueren Wald und Acker im ständigen Wechsel.
Für solche Maßnahmen gibt es mehrere Förderprogramme beim Landesumweltamt.
Das erfordert personelle und finanzielle Ressourcen im Landesforstbetrieb um solche gemeinsamen Förderprojekte neben dem normalen Geschäftsbetrieb flächendeckend und lückenlos zu prüfen und umzusetzen.
Alle gezeigten Stadtwaldflächen auf armen Standorten mit Kiefernbestockung und Laubholzbeimischung sind grundwasserbeeinflusst. Der Grundwasserspiegel sinkt seit Jahren dramatisch.
Revier Börnichen – ANW Dauerbeobachtungsfläche
Im Landeswaldrevier Börnichen des Forstbetriebes Lübben wurde anschließend durch den Leiter des Forstbetriebes Jörg Dunger eine Dauerbeobachtungsfläche der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) auf einem armen Flugsanddünenstandort vorgestellt. Die ANW hat unter verschiedenen Fragestellungen dazu Versuchsflächen über ganz Deutschland verteilt eingerichtet.
Auf der Fläche soll beobachtet werden, wie sich unter einem älteren Kiefernaltholzschirm angekommene Naturverjüngung aus überwiegend Kiefer und Birke und vereinzelten Stieleichen und anderen Baumarten entwickelt. Diskutiert wurde ob Eingriffe/Pflegen im Unterstand flächig, partiell oder nur auf seltene Mischbaumarten (z. B. Stieleiche) beschränkt, notwendig sind.
Fazit:
Um das Wasser in der Landschaft und im Wald zu halten bedarf es mehr als bisher gemeinsamer konkreter systematischer Maßnahmen vor Ort. Eine angepasste und veränderte Waldbehandlung (siehe waldbauliche Synthese Dr. Markus Engel) ist flächig im Brandenburger Wald notwendig.
Diese veränderte Waldbehandlung braucht zur Umsetzung auf allen Ebenen mehr Köpfe und Hände die dies vorbereiten, vermitteln und vor Ort umsetzen.
André Jander
Präsentation Mathias Schuster (LfU) Hydrolog. Veränderung im mittleren Spreegebiet
Präsentation Dr. Markus Engel (LFE) Waldumbau im Klimawandel